Eck­punk­te­pa­pier mit Min­dest­stan­dards zur Unter­brin­gung woh­nungs­lo­ser Frau­en

Der Ver­lust des Wohn­raums bedeu­tet für Betrof­fe­ne einen ekla­tan­ten Ein­schnitt in ihr Leben. Dies gilt — alters­un­ab­hän­gig — sowohl für Frau­en und Män­ner, Kin­der und Erwach­se­ne.

Der Schutz, den eine Woh­nung ver­mit­telt, die Rück­zugs­mög­lich­kei­ten eines Rau­mes und die indi­vi­du­el­le Aus­ge­stal­tung des All­tags, ist durch den Ver­lust des Wohn­raums ver­lo­ren. Nicht immer unwie­der­bring­lich, doch oft­mals – und u.a. auf­grund der schwie­ri­gen Woh­nungs­markt­la­ge immer häu­fi­ger – kommt es zu einer gro­ßen zeit­li­chen Ver­zö­ge­rung, um wie­der eige­nen Wohn­raum bezie­hen zu kön­nen. Obwohl jeder Mensch durch den Ver­lust sei­nes Wohn­raums in sei­ner Men­schen­wür­de ver­letzt wird, gibt es einen – poli­ti­schen wie auch gesell­schaft­li­chen – Kon­sens hin­sicht­lich der­je­ni­gen, die einer beson­de­ren Schutz­be­dürf­tig­keit unter­lie­gen. Dar­un­ter fal­len, u. a. neben Schwan­ge­re und Per­so­nen im hohen Alter, auch obdach­lo­se Frau­en.

Woh­nungs­lo­se Frau­en wer­den von der Gesell­schaft nur am Ran­de wahr­ge­nom­men. Ver­ein­zelt fal­len sie im Stadt­bild auf, wenn sie „Plat­te machen“ oder vor Gewalt ins Frau­en­haus flie­hen. Bei Ein­wei­sung in eine Not­un­ter­kunft stellt die­se einen mas­si­ven Ein­griff in die Lebens­si­tua­ti­on dar und oft­mals mit weit­rei­chen­den Fol­gen. Die Unter­kunft, die einem Obdach­lo­sen zur Ver­fü­gung gestellt wer­den muss, soll den Min­dest­an­for­de­run­gen an eine men­schen­wür­di­ge Unter­brin­gung ent­spre­chen. Dabei muss der Betrof­fe­ne im Ver­gleich zum Leben in einem eige­nen Zuhau­se tief­grei­fen­de Ein­schrän­kun­gen hin­neh­men, wobei die Gren­ze des zu Ertra­gen­den dort liegt, wo die Anfor­de­run­gen an eine men­schen­wür­di­ge Unter­brin­gung nicht beach­tet wer­den. Obwohl in der Ver­wal­tung und in der Recht­spre­chung von einem zivi­li­sa­to­ri­schem Mini­mum gespro­chen wird und Grund­sät­ze hier­zu ent­wi­ckelt wur­den , so ist bei Betrach­tung die­ser und auch der zugrun­de­lie­gen­den Gerichts­ur­tei­le anzu­mer­ken, dass vie­le von ihnen einer Über­prü­fung unter all­ge­mein gesell­schaft­lich aner­kann­ten Gesichts­punk­ten des 21. Jahr­hun­derts nicht stand­hal­ten wür­den. Eben­so wie gesell­schaft­li­che Lebens­wirk­lich­kei­ten, Ansprü­che, Lebens­stan­dard, Arbeits­pro­zes­se etc. im Lau­fe der Zeit (not­wen­di­gen) Ver­än­de­run­gen und Wei­ter­ent­wick­lun­gen unter­wor­fen waren und sind, gilt dies auch im Hin­blick auf die Anfor­de­run­gen an eine men­schen­wür­di­ge Unter­brin­gung und hier wie­der­um unab­hän­gig von der Ziel­grup­pe. Jeder Mensch hat ein Anrecht auf eine Not­un­ter­brin­gung, die die Wür­de des Men­schen ach­tet, respek­tiert und schützt.

Der Arbeits­kreis Frau­en der Regio­nal­ver­tre­tun­gen Olden­burg und Osna­brück der ZBS Nie­der­sach­sen möch­te mit dem Eck­punk­te­pa­pier “Min­dest­stan­dards an eine men­schen­wür­di­ge Unter­brin­gung in Not­un­ter­künf­ten für den Per­so­nen­kreis woh­nungs­lo­ser Frau­en” einen Bei­trag hier­zu leis­ten sowie den Blick aus­rich­ten auf die Grup­pe der woh­nungs­lo­sen Frau­en, die auf­grund ihrer beson­de­ren sozia­len Lebens­si­tua­ti­on im erhöh­ten Aus­maß von Gewalt­er­fah­run­gen, sexu­el­len Über­grif­fen, Trau­ma­ti­sie­run­gen und Fami­li­en­tren­nun­gen betrof­fen sind.

Eck­punk­te­pa­pier “Min­dest­stan­dards an eine men­schen­wür­di­ge Unter­brin­gung in Not­un­ter­künf­ten für den Per­so­nen­kreis woh­nungs­lo­ser Frau­en”